Als ich das erste Mal nach Australien ging, das war 2006, verfing ich mich ziemlich schnell in der Musik von Missy Higgins. In Broome gab mir ein australischer Freund von Sarah (meiner Teilzeit-Mitreisenden und ebenfalls Australiensehnsüchtigen) viel Musik. Unter anderem Missy Higgins. Ihre Lieder passten zu allem, sie war mein Soundtrack, wenn ich die weiten Straßen das erste Mal entlang fuhr, wenn ich mich nach zu Hause sehnte, wenn ich mehr erleben wollte. Ihre Musik war der Soundtrack, als ich Australien das erste Mal traf, das erste Mal alleine reiste, das erste Mal neun Monate lang nicht zu Hause war. Going North.

Mittlerweile war ich dreimal in Australien. Mein Soundtrack ist weiter geworden, doch angefangen hat meine Liebe zu australischer Musik mit Missy Higgins. Sie ist zurück, ich bin zurück. Ihr neues Album “The Ol’ Razzle Dazzle” erscheint heute, am 1. Juni. Es wirkt poppiger, ihre Stimme, die in mir alle Erinnerungen wach ruft, schlägt allerdings Wellen wie eh und je. Besonders bei “Everyone’s Waiting”, bei “Tricks” und anderen. Wunderschön. In der Music-Section von The Australian Newspaper kann man bereits die Lieder ihres Albums anhören, bald gibt es die CD hoffentlich auch in Deutschland. Die langsamen Lieder sind die Perlen, die Sehnsüchte, das Wahre. Am schönsten singt sie doch mit der Melancholie.

Foto: Archiv Missy Higgins

Das diesjährige Emerging Writers Festival zieht weite Kreise. Kreative Kreise; schreibmotiviert, belesen, neugierig auf neue, halb-bekannte Autoren: auf der Suche nach dem emerging writer.

Vom 24. Mai bis 3. Juni findet das Festival in Melbourne statt, es wird über die Zukunft der Bücher diskutiert – wie wohl jedes Jahr. Und jedes Jahr wird aufgeatmet, die Seiten umgeblättert, die Bücher leben noch. Und doch ist natürlich alles wieder digitaler geworden, die Internetwelt schlingt seine Arme um alles. Ganz besonders um das geschriebene Wort. Das Festival reagierte, lässt es nicht nur auf Melbournes Bühnen stattfinden, sondern auch online auf EWF digital. Fragen werden in Videoclips und Tweets gestellt und beantwortet. What is digital writing? How much social media? What direction do you see digital publishing taking?

Noch mehr, doch zu weit entfernt? Der Theorie folgt die Praxis: auf dem EWF Blog wird über Events, Schlüsselerlebnisse und besonders Einprägsames berichtet. Über die australische Literaturstimme, über Frauen die schreiben und den Stella-Preis, über Reviewers. Ich bin selbst zu weit weg, doch tauche ich hier und da ein bisschen ein, um in der australischen Literaturwelt zu sein. Und zu bleiben.

Seit heute gibt es eine neue Straße in Melbourne, neben all den anderen kleinen Graffiti-Gassen und farbenfrohen Sträßchen: die Literature Lane. Der Bürgermeister Robert Doyle eröffnete sie am Montagmorgen, den 21. Mai.

Melbourne als UNESCO City of Literature und das Jahr 2012 als National Year of Reading machen sich gemeinsam auf den Weg. Schlendern vorbei am Poster von Helen Garner’s fabelhaftem Monkey Grip, Steven Carroll hängt auch an der Wand und im Blickfeld. Es ist ein kleiner Gang durch die australische Literatur. Text Publishing zeigt bereits auf ihrer Facebook Page, wie der literarische Spaziergang aussehen könnte.

Wie gerne würde ich diese Gasse auf jeden Brief und jede Postkarte als meine Absenderadresse schreiben. Literature Lane in Melbourne klingt wunderbar.

Der Briefkasten war überfüllt. Der Kopf stand der Briefmarke im Weg. Dabei wäre es nur ein Klick, und die Post und der Post wären online gewesen. Tatsache ist: australian postcard ist ein bisschen leise geworden, aber sie wird auf jeden Fall noch abgeschickt. Die Sendezeit war nur auf Stillstand, eine Weile. Ich bin zurück aus Australien gekommen, und um nicht ganz im Blues der Entfernung unterzugehen, bin ich selbst ein bisschen auf Distanz gegangen.

Ich habe Orte, Plätze und Augenblicke nur hinter der Kamera beobachtet und Fotos sortiert. Auf meinem Fotoblog cake+camera gibt es nun neben [Lautschrift]-Fotos, Indienfarben und Leseplätzen auch ein Brisbane diary. Es ist voll mit Queenslands warmen Licht, Flüchtigkeiten, Kaffeezeiten und Heimaträumen. Ich hoffe, es gefällt und Brisbane fängt auch euch.

Bis bald.

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