Australiens Städte scheinen beinahe nur aus Künstlern zu bestehen. Bist du kein Maler, kannst du immer noch ein Musiker sein. Und die Band beginnt zu üben und zu spielen, auf der Fête de la Musique am 21. Juni, bei den regelmäßigen lokalen Konzerten im Powerhouse Brisbane, in all den Clubs und Pubs in West End. Es sind nicht mehr nur SingerSongwriter, es sind mehr nur die Stimme und die Lyriks. Mehr und mehr Instrumente kommen dazu, das Akkordeon erlebt seine Wiederentdeckung und spielt neben Trompeten und Kontrabassen. Brisbane, die Stadt der Musik. Melodien entwickeln sich, höher und höher, und verschwinden leider manchmal wieder. Reingehört bei Mojo Juvu Voodoo.

Es wird entworfen und erschaffen, die Realität reflektiert sich in Schriften, Fotos, Zeichnungen. Literaturmagazine entwickeln sich hauptsächlich in Melbourne. Voiceworks, Wet Ink, Overland. So viele Schreiberlinge, die aus den Creative Writing Kursen kommen und das Erlernte anwenden. Oder ist es das verfeinerte, fokusierte Talent? Kreative Schreiben Kurse sind in Deutschland noch in der Minderheit, hier in Australien wird es gelehrt und gelernt und ich bin immer noch kein großer Fan dafür. Um schreiben zu könne, sollte man sich mit anderen Schriftstellern und mit sich selbst und seinem Stil auseinandersetzen. Konkurrenz fördert vielleicht das Geschäft – aber läuft zu viel Konkurrenz nicht in eine Richtung der Massenproduktion?
Doch australischen Schriftstellern werden die Möglichkeiten und Platformen geboten, in den Magazinen, auf den Writer’s Festivals neben bekannten Autoren wie Bret Easten Ellis (der nach Byron Bay kommt). Sie schreiben sich hinaus in das Land und bleiben nicht im Schatten der Großen. Nur im Schatten ihrer selbst.

Schmuck erfährt ein weiteres Comeback, und alles erschien „cute“ und süß gestern auf The Finders Keepers Market zu sein. Die ganze Frankie-Generation, die mit geblümten Röcken aus dem Frankie-Magazin entsprang, fand sich im Alten Museum wieder. So viel Schmuck, so viele Zeichnungen. Der Fokus liegt im Land und nicht in der globalen Welt. Australischer selbstgemachter Schmuck gewinnt an Wert, und auch ich habe nun eine kleine, bronzefarbene Teekanne um meinen Hals baumeln. Englische Teezeit in Australien, und der Regen beginnt gegen das Fenster zu klopfen.

Die Zeichnungen sind süß, naiv, verspielt. Der Ernst bleibt hinter all den Lagen von Bleistiftstrichen und Wasserfarben verborgen, aber es macht Spaß, es anzuschauen und nachzuahmen. Eine Hippiegeneration ohne Rebellion scheint sich zu entwickeln; eine Generation, die sich nicht nur in Traumwelten flüchtet, sondern die die Träume durch die Kunst nach außen trägt. Nach außen auf die Märkte und auf Blogeinträge, wie Emma Leonard auf ihrem Blog, den sie Bones Braids and A Tricycle nennt.

Finders Keepers Brisbane Flyer            https://i1.wp.com/ny-image0.etsy.com/il_fullxfull.148261428.jpg

(Emma Leonard: Tender to the Blues)

Vielleicht liegt es an der Entfernung, die Australien weit weg von allem bringt.
Vielleicht haben wir zu viel gesehen und sind immun gegen Kriegsbilder und neue Politikreformen.
Vielleicht träumt es sich besser in Distanzen.

Es macht Spaß, in Australien von einer Kunstform in die nächste zu stolpern. Alles anzuschauen und anzuhören, durchzulesen und inspiriert zu werden. Nur scheint nach einer Weile die Tiefe zu fehlen. Die verkünstelten Luftblasen sind ein Vergnügen, wirken wie ein Traum. Doch sie hinterlassen keine langen Wirkungen, sie verlieren sich neben den anderen Luftblasen, die auch in Regenbogenfarben schimmern. Sie verlieren sich in der Masse, die sich gleicht und allen zugänglich ist; jedem eine Aufgabe gibt, in der man sich austoben und verspielen kann.

Jeder kann ein Künstler sein.

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