Literaturmagazine haben meist nur eine kurze Lebensdauer, einen kleinen Leserkreis und bringen eigentlich keinen Gewinn. Ehrlich und ökonomisch nicht sehr optimistisch waren die drei Herren, als sie sich beim Brisbane Writers Festival über die Zukunft und Vergangenheit der australischen Literaturmagazine unterhielten. Dabei sind sie selbst Verleger von Overland, Southerly und ABR und denken nicht im Entferntesten daran, aufzugeben. Sie finden die wahren Werte der Literaturmagazine in anderen Sparten – voller Literatur und Optimismus für das Neue.

Jeff Sparrow, der Editor des politisch-literarischen Magazins Overland, sieht vor allem die Ideenwolken der Künstler, die in den Seiten der Literaturmagazine und darüber hinaus schweben. Sie ermöglichen die ersten kleinen Schritte der Künstler, die Essays, Prosatexte und Gedichte veröffentlichen können und sich damit langsam einen Raum für das erste Buch schaffen. „They start people’s artictic careers“, sagt Jeff Sparrow voller Enthusiasmus.
Durch die Vielzahl von neuen Künstlern, die in einer Ausgabe publiziert werden können, vergrößert sich auch die Ideenwolke für den Leser. Jeff Sparrow geht sogar so weit zu sagen, dass er die Gemeinschaft, die das Literaturmagazin umgibt, wichtiger findet als die Worte auf dem Papier. Er möchte nicht nur neue Autoren finden, sondern vor allem einen Pool voller Ideen schaffen, der durch das Zusammentreffen von neuen und bekannteren Künstlern, von Diskussionen über die Moderne und anderen Theorien, in Bewegung gehalten wird. Overland sei nicht nur ein Literaturmagazin – es sei ein Ideenmagazin.
Overland lässt die Ideen pulsieren: gedruckt in Form von Prosatexten, Gedichten, Essays. Aber auch online, denn das Internet wird zum neuen Pub, wo zu Zeiten der ersten Literaturmagazine Meinungen ausdiskutiert wurden. Nun ist es der Blog, der sich mit Themen wie dem australischen Stelle Prize und der Gedichtrevolutionen beschäftigt, und teilweise stolze 136 Kommentare vorweisen kann. Und wie wird es finanziert, wenn der Inhalt umsonst angeboten wird? Wer sich wirklich als Teil der Gemeinschaft fühle, der werde das Magazin auch im Printformat kaufen, da ist sich Jeff Sparrow sicher. Und ordnet sich dann doch nicht in die Reihe der Literaturmagazine ein, die seiner Meinung nach meist nur eine kurze Lebensdauer und wenige Leser haben. Schließlich lautet das Motto: „progressive culture since 1954“. Ohne Ende.

Der Editor des Magazins Southerly, David Brooks, verlegt in einem Zimmer der University of Sydney, ist sich ebenfalls über die negativen und positiven Seiten der Welt der Literaturmagazine bewusst. Er kann auf eine Verlegerlaufbahn von 30 Jahren zurückblicken, und sieht Literaturmagazine nach wie vor in der Außenseiterrolle. „It’s something that society doesnt want, so you have to shuffle it to the people again and again“, sagt er. Dabei ist es ihm so wichtig, dass australische Literatur wieder genug Aufmerksamkeit bekommt und nicht nur von den Büchern von der anderen Seite der Welt in den Schatten gestellt wird. Dies ist eindeutig seine Motivation, die ihn ehrenamtlich schon seit 1991 Verleger von Southerly sein und bleiben lässt.
Interessant ist die das Editorialverfahren. Jede der jährlich drei erscheinenden Ausgabe wird unterschiedlich verlegt. Eine Ausgabe wird von David Brooks übernommen, die zweite von seinem Co-Editor Elizabeth McMahon und für die dritte Ausgabe wird jeweils ein Gasteditor eingeladen. Damit teilen sie sich die Verantwortung der ausgewählten Texte und bleiben einem ihrer Grundsätze treu: „Southerly really belongs to the people who send their works in“. Diesen Werken wird nun, dank der Möglichkeiten des Internets, noch mehr Raum mit dem Projekt Long Paddock geboten, in dem noch ein größerer Kreis der besten Texte und Hintergrundinformationen präsentiert werden können.

Stabiler als die Literaturmagazine, die auf kreative Beiträge und somit die eher unkommentierte und unbekannte australische Literatur verbreiten, scheint das Rezensionsmagazin ABR (Australian Book Review) zu sein. Sie veröffentlichen Kritiken und Reviews von bereits veröffentlichter australischer Literatur, und haben regelmäßig einen Pool von 240-250 Redakteuren. Momentan stehen Rezensionen über Steven Carroll und Nick Earls im Magazin, und Bücher aus Genres wie Politik, Memoir und Cultural Studies werden betrachtet.
Wie bei den oben genannten Literaturmagazinen sind auch sie auf Beiträge von Redakteuren außerhalb ihres eigenen Büros angewiesen, und der Verleger Peter Ross bewirbt verschiedene Möglichkeiten, als freie Mitarbeiter oder bezahlte Praktikanten teilzunehmen und mitzuschreiben. Sicherheit geben ihm wohl die vielen Abonnements der Universitäten weltweit – auch meine Universität in Tübingen hatte immer die aktuelle Ausgabe im Zeitschriftenraum der Bibliothek. Und das Internet, Freund oder Feind? Sie haben sich für eine Print und eine Online Edition entschieden, aber auf der Webseite schaffen sie eindeutige Klarheit, welche ihnen wichtiger ist: „ABR OE in no way replaces the print version“.

Alle Magazine werden ehrenamtlich betrieben und finanziell vom Australia Council unterstützt. Trotz der Auseinandersetzungen mit materiellen Kosten, Zeitmangel und der Herausforderung des Internets halten sie an der selben Motivation fest: die australische Literatur durch das Schreiben und Lesen, ob online oder gedruckt, zu präsentieren. Sie übernehmen die Verantwortung für die aktuelle Literaturszene, die sie vorantreiben, bewahren und immer wieder neu entdecken möchten. Das Internet wird das gedruckte Papier nicht ersetzen, doch es wird genutzt, um Hintergrundinformationen und Diskussionsanfänge zu bieten. Den Vordergrund bilden die ausgewählten Texte, die immer noch gedruckt auf dem Papier landen – sie sind der Wert und die Qualität der australischen Literaturmagazine.

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