Magazine sind meine Welt und ich könnte sie wohl wie meinen Lebenslauf chronologisch und thematisch auflisten. Von Minnie Maus über Young Miss, bis hin zu Neon und Brigitte.
Doch neue Länder haben neue Sitten und neue Magazine. Ich werde mich an den Kiosks in Australien umschauen, durch Magazine blättern, sie ganz durchlesen oder nur Bilder anschauen, meine neuen Zeitschriften finden und vielleicht auch eure. Die erste Vorstellungsrunde folgt nun; blättert mit mir durch die aktuelle Ausgabe von frankie.

Die Unterüberschrift ist länger als der Name, unterstreicht frankie aber schön. Gefüllt ist das Magazin mit Design, Kunst, Fotografie, Fasion, Reisen, Musik, Zuhause und dem Leben. Ein Mädchen sitzt auf dem Cover, sie schaut verschlafen und nicht so motiviert wie der Satz, der auf dem Cover zur Kreativität aufruft: „Makers & Thinkers: This one’s for you“. Die 43. Ausgabe handelt von Leuten, die ausbrachen und es wagten, alles auf ihre Kunst zu setzen, und hofften, nicht als brotlose Künstler herauszukommen. So wird beispielsweise die Geschichte einer Künstlerin erzählt, die nun monatliche ihre Miete mit ihren Gemälden bezahlen kann.

Das Magazin ist 144 matte Seiten stark und wunderschön anzuschauen. Die Fotos fallen aus dem Rahmen, sind über- oder unterbelichtet, verschreiben sich der Sentimentalen Fotografie*. Zwischendrin läuft die Farbe über die Bleistiftstriche hinaus. Es wirkt sympathisch und selbstgemacht, wenn Ciderflaschen nicht fotografiert, sonder gemalt werden und sich Marmeladenetiketten – als kleines Extra – ausstanzen lassen. frankie ist ein schönes Bilderalbum, das ehemalige Klassenzimmer, neue Kollektionen an Kleiderhacken, Kaffeetassen und weite Landschaften zeigt.

Und die Artikel? Alle scheinen ein bisschen im Belanglosen zu beginnen und im Nichts zu enden. Beispielsweise darüber, wie viel einfacher das Leben wäre, wenn sie ihn lieben würde. Oder über Autofahrer, die aus dem Fenster schreien. KesselsKramer Publishing druckt interessanterweise alte, wiedergefundene Automatenfotos. Beschrieben werden die Fotos in seichten Sätzen und lassen somit viele Fragen unbeantwortet: Woher kommen die Fotos wirklichen? Wie begann die Fotosammlung? Die Webseite, die unter dem Artikel steht, kann vielleicht weiterhelfen, der gedruckte Artikel findet allerdings nichts heraus. Diese Sorglosigkeit und die reine Beobachtung ohne wirkliche Tiefe ziehen sich leider durch das ganze Magazin.

Inspirierend hingegen sind die einzelnen Schnipsel, die sich in den ersten sieben Seiten und hier und da dazwischen ansammeln. Kurze Rezensionen, unter anderem zu der Musik von Ernest Ellis, dem Design von Proud Mary, den Handtaschen von Oktboerdee. Im Internet suche und finde ich die dazugehörigen Melodien und entdecke neue Musik, die im Hinter- und Vordergrund läuft. So entsteht langsam ein Soundtrack für den australischen Frühling. Und in den letzten Seiten werden doch noch hübsche Cafés vorgeschlagen, die sich über die Großstädte in Australien verteilen.

frankie ist eindeutig ein Magazin für junge Frauen – und wie schon das Cover sagt, für Leute, die Künstler sind und sein möchten, die Retro mögen und gerne schöne Bilder anschauen. Es ist ein bisschen zu süß, zu naiv, und klebt wie der Honig aus dem Regal, aus dem sich die frankie Redaktion die Inspiration für die Marmeladenetiketten holte. Ansteckend ist es dennoch. Motiviert stelle ich Blumen auf den Esstisch , fotografiere die Dächer der Queenslander mit zu viel Gegenlicht und höre mich durch alle Musikvorschläge, bis ich meine persönlichen Favoriten herausgefiltert habe. Für diesen kreativen Anstoß und den Einblick in die australische Kunst ist frankie dann doch wunderbar.

*Darüber bald ein Artikel, er braucht nur noch ein paar Belichtungen und Korrekturen.

Advertisements