Australien ist berühmt für Wettbewerbssport. Football findet regelmäßig in den großen Stadien statt, hinzu kommt AFL und heute Abend kämpfen die Australier beim Rugby World Cup um den dritten Platz. Doch das Wettkampffieber reicht mittlerweile über den Sport hinaus und hat die Literatur erreicht: in Meanjin Tournament of Books.

Meanjin ist eines der ältesten und lebendigsten Literaturmagazine in Australien. Bereits seit 70 Jahren steht es für „contemporary thinking, be it on literature, other art forms, or the broader issues of the times“. Im gedruckten Meanjin versammeln sich die neusten Literaturbeiträge, aus denen sich schon manche Klassiker wie Judith Wright, Patrick White, Helen Garner, und sogar Jean-Paul Sartre herauskristallisiert haben. Nachdem diese Beiträge schon vor Jahren unter Wettbewerbs- und Geschmacksbedingungen für eine Veröffentlichung ausgewählt wurden, lässt Meanjin die Klassiker nun online erneut in die Arena der Wettbewerbe eintreten.

Aufgebaut erinnert es mich an die Wettbewerbstabellen meiner damaligen Badmintonturniere. Runde 1, Spiel 1. Gewinner kommt in Runde 2. Halbfinale. Grand Final. Ineinanderschwingende Schwerter schmücken die Tabelle, die Büchercover zieren jeden Artikel. Denn wie anders, als durch den Leser, können Bücher gegeneinander antreten?
16 Bücher von australischen Schriftstellerinnen wurden ausgewählt und in Paare aufgeteilt. Ein Jurymitglied liest zwei Bücher, erläutert in einem Artikel seinen Entscheidungsverlauf und letzendlich das seiner Meinung nach bessere Buch. Zweimal die Woche gibt es einen Wettbewerbsbeitrag und zweimal die Woche gibt es ein Gewinnerbuch, das in die nächste Runde kommt.

Natürlich kann es kein fairer Wettbewerb sein, denn er wird mit dem Schwert des persönlichen Geschmackes, aus dem eine lose Reihe von Argumenten fließt, gekämpft. Doch das wunderbare ist, dass Meanjin 16 australische Klassiker ausgesucht hat und sie auf unsere Nachttische bringt. Denn wirklich: wie viele australische Autorinnen kennen wir? Ich versuche mich mehr und mehr hineinzulesen, doch Meanjins Liste gibt mir mehr Namen für einen größeren Bücherstapel. Die Liste gibt mir die Chance, alte Klassiker neu kennenzulernen (da ich sie nicht in der Schule wie australische Schüler lesen musste) und gleichzeitig noch mehr Informationen, ob als Vorbereitung vor der ersten Seite oder als Nachbereitung nach der letzten Seite.

It’s about reading books you’ve always meant to read but never quite got around to, and about re-reading dog-eared favourites.

Meanjin stachelt nicht nur mich an, mich in australischen Klassikern zu verlieren, auch Lisa Dempster versucht mit dem Lesethempo mitzuhalten. Und schreibt darüber wiederum hier.

Eigentlich ist es kein Wettbewerb, der das eine beste Buch einer australischen Schriftstellerin küren wird. Es ist ein persönlicher Wettbewerb für jeden Leser, die eigene Leseliste zu vergrößern. Mit dem Ziel, eine neue Lieblingsschriftstellerin im eigenen Finale zu finden.

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