In Deutschlands Literaturmagazinen wird noch viel Prosa geschrieben. Fiktiv wird in andere Welten geschwärmt, poetisch die Welt beschrieben, mit Metaphern die Probleme hervorgehoben. Geschichtenerzählen wirkt, doch nicht immer dringen die Probleme ganz durch. Viel direkter sind Essays. Sie sprechen die Sache direkt an, auch hier wird jede Art von lyrischem Experiment ausgelebt, aber der rote Faden bleibt verständlich. Das deutsche Literaturmagazin Edit wagte sich nach viel Prosa an eine Essayausgabe, auch unser Literaturmagazin [Lautschrift] ruft laut zu Essays auf. In Australien ist das schon eine Weile gang und gebe – hier überwiegen teils sogar die Essays.

Kill Your Darlings ist ein Magazin aus Melbourne, das, wie die Herausgeber selbst schreiben, frische, schlaue Texte publizieren, Intelligenz gepaart mit Intrige.  Daher wohl auch der Name: stehen heimtückische Machenschaften tatsächlich im Sinne der Herausgeber? Töten wollen sie ihre Schätze hoffentlich nicht, aber sie hinterfragen und beleuchten aktuelle Themen ganz direkt in ihren Essays (im Magazin „Commentary“ genannt). Wenn andere Leute all die Masterchef-Shows noch genießen und daheim fließig nachkochen, hinterfragt KYD diese Bessenheit mit Essen. Die Essays nehmen in dem Magazin tatsächlich den meisten Platz ein: sechs Essays, zwei Reviews, ein Interview im Vergleich zu drei Prosatexten und einem Cartoon. Auch in ihrem Blog beschäfitgen sie sich mit der Welt, momentan hauptsächlich mit der Kunst des Internets. Aber sie sind ein Printmagazin, das den Dreh zu einem Halbonlinemagazin wagt. Eindeutig ein Thema, dass sie, und auch uns beschäftigt.

Auch Meanjin balanciert gekonnt zwischen Fiction und Non-Fiction. Die Autoren philosphieren und essayieren über australische Schriftstellerin und den Stella Preis (der australische Orange Prize), über Pornographie und über Langeweile bei Glücksspielen. Und natürlich gibt es auch brilliante neue Prosa, aber die steht zwischen den Essays, ist schön, sehr lesenswert, lässt sich genießen und die Welt in neuen Worten sehen. Die Essays lassen einen denken und Meinungen bilden. Auch online in ihrem Blog, wo sie beispielsweise den Bücherwettbewerb (Ich schrieb darüber bereits hier) durchführten und so ständig über Neues und Altes in der australischen Literaturszene schreiben. Informativ.

Langsam werden australische Literaturmagazine tatsächlich zu Essaymagazinen. Es ist informativ, und kommt man neu in das Land, ist es ein großartiger Weg, um sich zu informieren, was gerade los ist. Die Magazine schreiben darüber, was bewegt, und beleuchten die Themen von allen Seiten. Die Autoren haben etwas zu sagen, Themen werden angesprochen. Und es wäre schön, wenn sich Essays bald auch mehr in unseren Literaturmagazine erheben und laut ihre Meinungen kundtun.

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