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Fernsehserien waren gestern. Jedenfalls die, die tatsächlich über den Fernsehbildschirm angeschaut werden. Meistens läuft es doch übers Internet. So bin ich beispielsweise ganz ohne Fernseher in meine neue Wohnung eingezogen. In Melbourne fand am 20. Juli das Festival zur neuen Art von Serien statt: das Melbourne Web Series Festival.

Webisode heißt das neue Schlagwort, und fasst raffiniert zusammen, um was es geht: über das Web Serienepisoden laufen lassen. Wie Online-Artikel pochen auch die Webisoden auf Kürze, eine Folge dauert zwischen 5 und 10 Minuten. Ganz neu sind sie nicht, geistern schon seit den 90ern herum. Doch jetzt lenken Festivals neue Aufmerksamkeit darauf – zu Recht und zu rechter Zeit.

Ich begann mit Syd2030, eine Webserie, die in den Eastern Suburbs von Sydney spielen. Die erste Folge dauert 5:27 Minuten, dann ist sie schon wieder vorbei. Und ist doch ganz wie eine normale Serie: spannend endet sie, jeder scheint was mit jedem zu haben und schon hängt man in der zweiten Folge. Das ewige Serienabhängigkeitsdrama. Oder die Entspannung zum Feierabend. Oder „mundgerechte Unterhaltung ohne Übersättigung“ wie die Syd2030-Crew selbst sagt.

Es dreht sich nicht nur um das beste Drama. Das Melbourne WebFest vergab Preise in den Kategorien Best Drama (Syd2030, Australien), Best Fantasy (Mission Backup Earth, Berlin), Best Non-Fiction (The Journey of Documentary, Australien), Best Suspense/Thriller (After, Kanada) und Best Comedy („Great.“).

Die Journalisten-Platform upstart hat Interviews mit Webisoden-Machern geführt.

Vor allem ist diese Art von Serien, die speziell für das Internet und nicht erst für den Fernsehbildschirm gemacht werden, eine Chance für junge Filmemacher. Diese haben selten Budget, aber Ideen und den Wille, ihren Namen in die Filmwelt rauszutragen. „Wir hoffen, dass es junge Filmemacher ermutigt, ihre Geschichten zu realisieren“, sagt die Filmcrew von Syd2030 im Interview mit upstart.

Ebenfalls ein Gewinner des Melbourne Web Festivals war The Journey of Documentary in der Kategorie Non-Fiction. „Ich möchte, dass Leute merken, dass der Fernseher und das Kino nicht mehr die einzigen Medien sind, wo man Filme vorführen kann.“, erklärt Atalanti Dionysus gegenüber upstart.

Mit dem Web Festival holt Melbourne die Webisodes doch wieder raus aus dem Internet und wirft sie auf die Leinwand. Da strahlen sie in wahrer Größe. Und zwischen den Festivals: am besten neue Webisodes anschauen. Oder gleich selbst losdrehen.

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