Floundering on a German balcony table

Es ist die Abgeschiedenheit, die mich immer wieder in der australischen Literatur beeindruckt. Natürlich, die Isolation: es ist ein offensichtliches Thema in einem Land, das hauptsächlich an der Küste besiedelt ist. Doch richtig faszinierend ist immer wieder, wie sich menschliche Verlorenheit in der isolierten Landschaft widerspiegelt.

Letzte Woche las ich „Floundering“ von Romy Ash. Es handelt von zwei Jungs, die von ihrer (jahrelang abwesenden) Mutter auf einen Roadtrip mitgenommen werden; wenn nicht gar entführt. Sie campen irgendwo, schmecken das Meer und die rote Erde. Doch immer werden sie eine Armlänge von Loretta – ihrer Mutter – entfernt gehalten. Sie versuchen, näher zu kommen, in dieser schwirrenden Hitze.

Matey, she says, come on. She is driving really slow alongside him. He shrugs his schoolbag further up on his shoulder and stops.

She smiles the kind of smile that is so good it feels like a punch in the stomach. Jordy looks up and down the street, but there is nothing to hold on to, just letterboxes, fences and scraggly trees. He gets in. (Seite 2)

Der Stil könnte ganz und gar in Hemingways Sinn stehen: Romy Ash schreibt einfach und klar. Schließlich spielt der Roman aus der Perspektive eines der Kinder. Voller Details von cremigem Mais, Zelten, die wie zurückgelassener Müll am Strand liegen, die überwältigende Umarmung der Hitze, wenn man die Tür vom Auto aufmacht. Die Dialoge kommen auf den Punkt; nicht zu wenig, nicht zu viel. Der Leser ist sofort da: in der Hitze, an der Westküste, weit weg von allem, wo alles passieren kann. Ich bin sofort da. Und kann dem Buch kaum Recht tun, in dem ich nur die Dialoge und die Detailpfiffigkeit lobe – es ist leise, so leise und schwer wie dieser leichte, schwere Sommerwind, der nur die Hoffnung vermittelt, er könnte kühlen, aber Schweiß und ein tiefes Gefühl zurücklässt.

Was hat es nur auf sich, mit diesen Jungsgeschichten in der Weite Australiens? Schon Randolph Stow’s „The Merry-Go-Round in the Sea“ (Ich schrieb darüber eins auf Reisebine, der Artikel „Durch Australien lesen“ hier) beeindruckte mich sehr. Es ist, als ob die australische Landschaft noch weiter, der Himmel noch höher aus der Kinderperspektive wird. Einerseits wirkt es aus Kinderaugen alles ein bisschen verzaubert, wenn – wie bei „Floundering“ – ein gestrandeter Hai mehr Aufmerksamkeit erfordert als die Mutter, die mal wieder verschwunden ist. Anderseits sorgt man sich als Leser mehr, möchte helfen, die Kinder an die Hand nehmen, da sein. Man möchte alles ausbalancieren, was in Kindesaugen okay und in Erwachsenenaugen gefährlich wirkt.

Ein grandioses Buch. Ein Familiendrama. Ein Roadtrip. Eine australische Zeltplatzgeschichte. Eine Linie in der Landschaft.

Für diejenigen, die sich auch in Randolph Stow’s „The Merry-Go-Round in the Sea“ verlieren konnten.

Lesen: Romy Ash: Floundering. The Text Publishing Company. Melbourne, 2012.

Mehr hier: http://textpublishing.com.au/books-and-authors/book/floundering/
und ein feines Interview mit Romy Ash bei Time Out Melbourne: http://www.au.timeout.com/melbourne/timein/features/2700/romy-ash-interview

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