autumn green

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Der australische Singer-Songwriter Stu Larsen ist seit drei Jahren ohne festen Wohnsitz unterwegs. Alleine ist er aber selten: mal ist er mit Passenger auf Tour, ein andermal mit dem Mundharmonikaspieler Natsuki Kurai. Ein Gespräch mit Stu Larsen und Natsuki Kurai über musikalische Männerfreundschaften und das Unterwegssein.

Es gibt diese Momente, da trifft man eine fremde Person und fühlt sich sofort erstaunlich verbunden. Man ist sich nah und vertraut, bevor man mehr als einen Tag miteinander verbracht hat. Das passiert ab und zu. „Wenn Musikern so etwas widerfährt, ist das eine ganz besondere Sache“, sagt Stu Larsen. Eine besondere Sache, aus der meist Großartiges wird: wie seine EP und seine Tour mit dem japanischen Mundharmonikaspieler Natsuki Kurai.

stu larsenAls Stu Larsen und Natsuki Kurai Ende September in München ankommen, liegen bereits zwei Drittel ihrer Europa-Tour hinter ihnen. 16 Shows in 19 Tagen. Sie sind ein bisschen müde, wir schlendern durch den Sendlinger Westpark. Natsuki war noch nie zuvor in Europa, erzählt mir von dem Oktoberfest in Japan, wo er Bier aus großen Krügen trank und weiß sofort, welche Stadt ihn bisher am meisten beeindruckte: „Paris gestern war unglaublich, wie im Film. Um Mitternacht waren wir oben auf dem Eiffelturm und alle Lichter haben geblinkt! Großartig!“ Wenn ihm Wörter fehlen, schaut er zu Stu, der seine Gedanken und die Begeisterung in seinen Augen in ein ruhiges australisches Englisch übersetzt. „Amazing“, sagt er gerne. Natsuki hat das auch schon angenommen. „Paris was amazing!“

Als sie sich kennenlernten, war Natsukis englischer Wortschatz noch klein. „Hello“ und „Yes“ konnte er sagen. Nicht viel mehr. „Als ich das dritte Mal nach Japan reiste, ging ich zu einem Konzert von einem Mädchen, die meinte, ich solle mir ihre Musik anhören“, erzählt Stu. „Mein eigenes Konzert war zwei Tage später. Sie spielte mit einem Mundharmonikaspieler. Ich bin mir nicht mehr sicher, wie sie war. Ich weiß nur, dass Natsuki mich richtig beeindruckte.“ Nach dem Auftritt ging Stu hinter die Bühne, um mit Natsuki zu sprechen und ihm zu sagen, wie „amazing“ er war. Stu sprach kein Japanisch. Natsuki kaum Englisch. Selbst die Begrüßung, alles, was über ein „Hallo“ hinausging, war schwierig.

Dennoch standen sie zwei Tage später an einem Donnerstag gemeinsam auf der Bühne. Ohne Probe, ohne Soundcheck. Sie spielten einfach zwei von Stus Liedern miteinander. „Es war großartig“, sagt Stu. „Da war sofort diese musikalische Verbindung da. Sehr cool.“

Beide begannen ihre musikalische Laufbahn im Alter von fünf Jahren. Stus Mutter schickte ihn in den Kirchenchor, mit 14 bekam er seine erste Gitarre. Ebenfalls von seiner Mutter. „Meine Mutter war in einer Folk Gruppe in den 1970ern. Mein Vater kann weder singen noch im Takt klatschen.“, erzählt Stu. „Ich nahm Gitarrenunterricht für ein oder zwei Jahre, saß in meinem Zimmer und schrieb Songs.“ Schüchtern war er da angeblich. Das hat er mittlerweile abgelegt. Nur die Ruhe hat er sich bewahrt, wenn er mit seiner warmen  Sängerstimme Geschichten von früher erzählt. Als er noch in Queensland wohnte, in einem kleinen Dorf knapp 200 Kilometer westlich von Brisbane am Warrego Highway.

Anatsuki kurails Natsuki fünf Jahre alt war, bekam er keinen Gameboy wie die andere Kinder in die Hand gedrückt, sondern die Mundharmonika seines Vaters. „Es war wie ein Spielzeug für mich. Ich spielte damit einfach jeden Tag anstatt Fernsehen zu gucken.“, sagt Natsuki. Wenn er nicht gerade mit Stu durch Europa tourt, spielt er auf vielen Bühnen in Japan. Etwa 25 Auftritte im Monat.

Stu ist der Weltenbummler der beiden. Das wird auch in seinen Liedtexten deutlich wie bei “San Francisco”: „My jeans are too tight and my hair is too long, you look at me like I’m a vagabond – Maybe I am.“ Seit drei Jahren ist er unterwegs, alleine oder mit Musikerkollegen wie Natsuki oder Passenger auf Tournee. „Reisen mit Mike, also mit Passenger, ist klasse“, sagt Stu. „Aber die Dimensionen sind ganz anders. Mit ihm spiele ich in großen Hallen. Natsuki und ich sind in den kleinen, gemütlichen Locations.“ Einen Namen machte er sich mit seinen letzten zwei Alben „Ryeford“ und „The Black Tree“. Ist das Unterwegssein aber nicht manchmal einsam? „Manchmal schon“, gibt er zu. „Aber wir haben Freunde in vielen Städten, mit denen wir uns immer wieder treffen. Das ist schön.“

Und wann bleibt da Zeit, um neue Lieder zu schreiben? Natsuki kneift die Augen zusammen, schaut auf den See vor ihm. „Meine Melodien sind wie eine Landschaft“, sagt Natsuki. „Sie handeln nicht von Liebe oder Freunden, sondern von deutschen oder englischen Landschaften.“ Ein Lied schreibt er in Rekordzeiten von zehn Minuten.

Stus Lieder handeln vom Unterwegssein, der Suche nach der Liebe. Ein bisschen verloren klingen die Songtexte, ein bisschen verloren klingt er. Aber voller Gefühle und einer Sehnsucht. „Ich schreibe nicht oft Lieder“, erzählt Stu. „Ich muss dafür eine Weile alleine sein, für mindestens eine Woche, ohne jemand anderen, ohne Laptop, ohne Handy.“ Ereignisse und Menschen inspirieren ihn, aber wenn er auf Tour ist, ist er zu sehr damit beschäftigt mit den Sachen, die jeden Tag passieren. Immer an einem anderen Ort. Er nutzt die Pausentage zwischen Auftritten. „Wenn ich alleine bin, kommt alles raus. Dann erinnere ich mich und fange an zu spielen und zu singen…“

sitting waitingUnd wer sind ihre Lieblingsmusiker? Stu zählt auf: Ray Charles, Neil Young, Ray Lamontagne, Bon Iver.
“Ray Charles ist besonders”, sagt Natsuki. “Als ich zehn Jahre alt war, spielte ich “Georgia on my mind” und da wusste ich, dass ich ganz sicher ein Mundharmonikaspieler werden wollte. Mein absolutes Lieblingslied.“
„Wirklich? Dein Lieblingslied?“, fragt Stu ungläubig.
„Ja, sonst wäre ich wahrscheinlich kein Mundharmonikaspieler geworden.“
„Er ist auch mein Lieblingsmusiker!“, ruft Stu aus, ein bisschen aufgewühlter, ein bisschen lauter. Wieder eine Gemeinsamkeit! Und da ähnelt sich das Gefühl der Verbundenheit von Musikern als auch nichtmusikalischen Freundschaften doch sehr: die Realisation, dass es nicht nur Einbildung ist. Wie gut das tut, dass man von gleichen Musikern beeinflusst wurde, ähnliche Momente im Alter von fünf Jahren hatte und sich nun auf einer gemeinsamen Bühne gefunden hat. Welch ein Glück, für die Musiker und die Musikerfreunde: denn das Zusammenspiel der beiden mit Mundharmonika und Gitarre und herrlichem Gesang ist wahrlich „amazing“.

Nächstes Jahr planen Stu Larsen und Natsuki Kurai wieder auf Tour zu gehen. Ab Anfang Oktober ist Stu Larsen mit Passenger auf Europa-Tournee. Geschichten und Fotos vom Unterwegssein und die EP von Stu Larsen und Natsuki Kurai sind auf www.stularsen.com erhältlich. Mehr über Natsuki Kurai: www.natsukikurai.tumblr.com.

** English Version **

In the park with Stu Larsen and Natsuki Kurai

The Australian Singer-Songwriter Stu Larsen has been on the road for the last three years with no fixed address. He is rarely alone though: sometimes he tours with Passenger, sometimes with the harmonica player Natsuki Kurai. A conversation with Stu Larsen and Natsuki Kurai about musical friendships and life on the road.

the boys and the turtles

There are moments when you meet a foreign person and you feel immediately connected. You feel close and somehow familiar before you have even spent more than one day with each other. It happens, once in a while. “As a musician, it is very rare to feel really connected to somebody musically”, says Stu Larsen. A rare thing which leads to excellent results like his EP and his tour with the Japanese harmonica player Natsuki Kurai.

When Stu and Natsuki arrive in Munich at the end of September, two third of their European tour are already behind them. 16 shows in 19 days. They are a bit tired, we stroll through the park in Sendlingen, Munich. Natsuki has never been to Europe before, he tells me about the Octoberfest in Japan where he drank beer out of huge glasses. He also knows immediately which city has impressed him most: “Paris was amazing, like in the movies. At midnight, we went up the Eiffel tower and the lights were all shining. Amazing!” When he misses some words he looks over to Stu who translates his thoughts and the excitement in his eyes into a calm Australian English. “Amazing”, Stu likes to say. Natsuki has already adapted the word. “Paris was amazing!”

When the two musicians met, Natsuki could hardly speak any English. “Hello” and “Yes”, that was it. Not much more. “When I went to Japan for the third time, I went to the show of a girl who wanted me to listen to what she was playing”, tells Stu. “Natsuki was playing the harmonica, I just remembered him being phenomenal.” After the show, Stu went to talk to him. Stu didn’t speak any Japanese. Natsuki hardly any English. Even saying Hello was very difficult.

stu larsen in munichNonetheless, two days later they were together on stage. Without a rehearsal or soundcheck. They just got up and played a few songs. “It was very cool”, says Stu. “It was a very instant musical connection.”

Both started playing music when they were five years old. Stu’s mum made him join the church choir and gave him his first guitar when he was 14. “My mum had a folk group in the 70s. My dad can’t sing or clap in time”, tells Stu. “I had guitar lessons for a year or two, then I’d just sit in my room and write songs”. Apparently, he used to be very shy. Not anymore. He only kept the calmness while telling stories from the past in his warm voice, when he used to live in a little town 200 kilometres west of Brisbane near the Warrego Highway.

When Natsuki was five years old, he did not get a gameboy like the other kids, but his dad’s harmonica. “It was like a toy for me”, Natsuki says. “I just played every day instead of watching TV or playing games.” When he is not touring with Stu through Europe, he plays on many stages in Japan. Around 25 shows a month.

Stu is a globetrotter which also becomes clear in the lyrics of his songs like in “San Francisco”: „My jeans is too tight and my hair is too long, you look at me like I’m a vagabond – Maybe I am.“ He has been on the road for three years, alone or with music friends like Natsuki and Passenger on tour. “It’s great to travel with Mike (Passenger)”, says Stu. “Only the dimensions are different. We play in big venues. Natsuki and I are playing in rather small, intimate locations.” He became known with his last two EPs “Ryeford” and “The Black Tree”. Does travelling not also get lonely sometimes?  “Sometimes yes, it can be lonely”, Stu admits. “But we have friends in every city we go to and we always hang out with them. That’s good.”

natsuki kurai in munichAnd is there even time to write new songs? Natsuki narrows his eyes, looks at the lake in front of him. “My tunes are like views of landscapes”, explains Natsuki. “They are not about love or friends but German landscapes or English landscapes.” He can write a song in record times of ten minutes.

Stu’s songs are about moving, looking for love, finding moments. They sound a little bit lost, he sounds a little bit lost. But full of emotions and desires. “I don’t write very many songs very often”, Stu tells. “Generally I need to be isolated on my own for a long time, without anybody else, no laptop, no phone.” Events and people inspire him but when he is on tour, he is too busy with the things that are happening everyday. Always different places, different people. He uses the breaks in between tours for writing. “It is the isolation that pushes a button. Then I remember and just start playing and singing…”

And who are their favourite musicians? Stu mentions Ray Charles, Neil Young, Ray Lamontagne, Bon Iver.
“Ray Charles is special”, says Natsuki. “When I was ten years old, I played “Georgia on my mind”. That’s when I wanted to become a harmonica player. It is my favourite.”
“Your favourite? Number one?”, asks Stu.
“Yes, maybe I wouldn’t be a harmonica player without this song.”
“He’s my favourite too!”, Stu calls out, a little bit louder, more excited. Another thing in common! And then, the feeling of connection between musicians and non-musical friends have a strong similarity: the realisation, that it is not just imagination. How good it feels when you were influenced by the same musicians, by similar moments at the age of five to find yourself on the same stage now. How lucky, for the musicians and musician lovers: because the connection of the two with harmonica and guitar and the wonderful singing is truly “amazing”.

Next year, Stu Larsen and Natsuki Kurai are planning on going on tour again. From the beginning of October, Stu Larsen and Passenger are on their Europe tour together. Stories and pictures from the road and the EP from Stu Larsen and Natsuki Kurai are available on www.stularsen.com. And you can follow Natsuki Kurai on www.natsukikurai.tumblr.com.

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