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weiterreisen

Gestern bin ich wieder einmal aus Australien zurückgekehrt. Wie schön es wieder war – ich habe mich erneut in Brisbanes Queenslander-Häuser verliebt, viel Kaffee in Melbourne getrunken und konnte nicht genug von Bondis Wellen in Sydney kriegen. Oh Australien!

Nur habe ich diesmal keine australischen Postkarten hier geschrieben. Ich habe diese Seite – meinen kleinen australischen Raum – sehr gern, doch online bin ich weitergezogen. Zu cake+camera und Paper Sail.

Diesmal habe ich ein paar Briefe an Brisbane und Melbourne (und auch bald noch einen an Sydney) auf meinem Reisestückchen-Blog cake+camera geschrieben. Viele Fotos dazu gepostet. Und auch hier Literatur, Kunst, Musik und Filme gefunden. Bitte reist mit, steigt ein und kommt mit mir rüber zu cake+camera! Hier werden wir noch weiterreisen, in nächster Zeit verstärkt nach Sydney und dann – wer weiß, wohin! Ich bringe auf jeden Fall immer Stift, Papier und meine Kamera. Das Fernweh ist nie aufgebraucht. Und es geht nun viel weiter als Australien.

In Australien habe ich mich diesmal auch verstärkt auf die Buchladensuche gemacht für mein neues Projekt Paper Sail – a journy and a guide to bookshops around the world. Wollt ihr mit mir buchladenreisen gehen? Im Gepäck sind wunderbare Buchläden, stadtgebundene Literaturvorschläge, Buchhandelgeschichten und weitere Tips für schöne Plätze drumherum.

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australian postcard bleibt vorest online, um zu finden und zu erinnern und zu inspirieren. Denn Australien wird mir immer immer wichtig bleiben. Vielen Dank fürs Anklopfen und Vorbeischauen!

Bis hoffentlich bald in anderen Räumen und Orten! Das würde mich sehr freuen.

Cindy

 

 

| Ganz neu: australian postcard hat eine Facebook-Seite! Klickt rüber für regelmäßige australische Häppchen aus Literatur, Kunst, Musik und Film.

Fernsehserien waren gestern. Jedenfalls die, die tatsächlich über den Fernsehbildschirm angeschaut werden. Meistens läuft es doch übers Internet. So bin ich beispielsweise ganz ohne Fernseher in meine neue Wohnung eingezogen. In Melbourne fand am 20. Juli das Festival zur neuen Art von Serien statt: das Melbourne Web Series Festival.

Webisode heißt das neue Schlagwort, und fasst raffiniert zusammen, um was es geht: über das Web Serienepisoden laufen lassen. Wie Online-Artikel pochen auch die Webisoden auf Kürze, eine Folge dauert zwischen 5 und 10 Minuten. Ganz neu sind sie nicht, geistern schon seit den 90ern herum. Doch jetzt lenken Festivals neue Aufmerksamkeit darauf – zu Recht und zu rechter Zeit.

Ich begann mit Syd2030, eine Webserie, die in den Eastern Suburbs von Sydney spielen. Die erste Folge dauert 5:27 Minuten, dann ist sie schon wieder vorbei. Und ist doch ganz wie eine normale Serie: spannend endet sie, jeder scheint was mit jedem zu haben und schon hängt man in der zweiten Folge. Das ewige Serienabhängigkeitsdrama. Oder die Entspannung zum Feierabend. Oder „mundgerechte Unterhaltung ohne Übersättigung“ wie die Syd2030-Crew selbst sagt.

Es dreht sich nicht nur um das beste Drama. Das Melbourne WebFest vergab Preise in den Kategorien Best Drama (Syd2030, Australien), Best Fantasy (Mission Backup Earth, Berlin), Best Non-Fiction (The Journey of Documentary, Australien), Best Suspense/Thriller (After, Kanada) und Best Comedy („Great.“).

Die Journalisten-Platform upstart hat Interviews mit Webisoden-Machern geführt.

Vor allem ist diese Art von Serien, die speziell für das Internet und nicht erst für den Fernsehbildschirm gemacht werden, eine Chance für junge Filmemacher. Diese haben selten Budget, aber Ideen und den Wille, ihren Namen in die Filmwelt rauszutragen. „Wir hoffen, dass es junge Filmemacher ermutigt, ihre Geschichten zu realisieren“, sagt die Filmcrew von Syd2030 im Interview mit upstart.

Ebenfalls ein Gewinner des Melbourne Web Festivals war The Journey of Documentary in der Kategorie Non-Fiction. „Ich möchte, dass Leute merken, dass der Fernseher und das Kino nicht mehr die einzigen Medien sind, wo man Filme vorführen kann.“, erklärt Atalanti Dionysus gegenüber upstart.

Mit dem Web Festival holt Melbourne die Webisodes doch wieder raus aus dem Internet und wirft sie auf die Leinwand. Da strahlen sie in wahrer Größe. Und zwischen den Festivals: am besten neue Webisodes anschauen. Oder gleich selbst losdrehen.


„How is it going mate?“, fragt der prototypische Australier und könnte seinen besten Kumpel meinen, er könnte aber auch den Verkäufer ansprechen, mit dem er gestern nur drei Sätze geredet hat. Mate – ein Freund, ein Bekannter, eine Floskel, Teil eines Spruches. Und ganz oben auf der Liste der australischen Wörter.

Fein steht der Mate in der Reihe der australischen Männerrollen. Erster in der Reihe ist James Cook, der Seefahrer, der Entdecker. Nach ihm kamen die Sträflinge, Männer, die Brot, vielleicht auch ein Pferd in England stahlen, und langsam Australiens Ostküste aufbauten. Zum Goldrausch blieben und kamen die Buschmänner, tranken ihren Billytee während sie in den Flüssen nach Gold suchten, erzählten sich Geschichten unter dem Eukalyptusbäumen, trotzten der Hitze, erkundeten das Land nach Will und Burk, und schafften es erstmals äußerst australisch in etliche Gedichte und Romane. Der Mate war geboren.

Und heute, um dem Klischeebild der australischen Flagge zu folgen, surft der Mate und kümmert sich mit einer Bierdose in der Hand rühmlich um das BBQ. Besonders heute, am Australia Day. The Meaning of Mate zeigt noch 18 weitere Mate-Bilder, lustig, komisch, irre. Happy Australia Day!

 

Die Nachmittage werden langsam länger und fließen in beinahe der gleichen Temperatur in den Abend hinein. Singzikaden zirpen in den Bäumen, während wir auf dem Balkon sitzen und die Story Bridge von hier sehen können.

Singzikaden zirpten auch in „Summer Coda„, einem australischen Film von Regisseur Richard Gray, der auf einer Orangenfarm in Mildura spielt. Er handelt von der Suche der Amerikanerin Heidi nach ihrem Vater. Gleichzeitig entdeckt sie das Land Australien, das ihr Vater als neue Heimat wählte, als er die Familie verließ. Sie stolpert in Pubs, in die Hitze, und letztendlich beim Trampen in das Auto von Michael, der Orangenkisten auf der Ladefläche transportiert. Im Vordergrund spielt Heidi ihre Geige, im Hintergrund läuft ein fabelhafter Soundtrack.

Und während ich den Film anschaute, war ich überrascht, wieviel vertrautes Australische ich erkannte. Und wenn es nur die Geräusche der Nacht waren, oder die Tomato Sauce auf dem Küchentisch. Wenn es nur die Biergläser waren, oder die ein oder andere Redensart. Hier in Australien zu sein, und einen australischen Film anzuschauen, lässt tatsächlich alles noch einmal ein Stück vertrauter, gewohnter und heimischer werden.

Wunderschöner Film für eine Sommernacht. Oder einfach nur, um die australische Sonnensehnsucht zu stillen.

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