Es ist nicht einfach mit dem richtigen Timing: gerade hat man die Bücher von Paris in den 20ern entdeckt, Paris ist nach wie vor da, nur die aufregenden 20er sind schon lang passé. Oder man ist in einer Großstadt zu Besuch und die Plakate kündigen ein Literaturevent an – für nächste Woche. Überhaupt Literaturfestivals: sie spielen meistens in einer weit entfernten viel tolleren Stadt, als man sich gerade befindet.

Die Truppe des Emerging Writers‘ Festival schmeißt Zeit und Ort in einen Topf, damit das Timing weltweit klappen könnte: Mit dem Digital Writers‘ Festival. Rechnet die Veranstaltungszeiten in eure Zeitzone um (einfach für Deutschland: 10 Stunden sind wir hinterher) und stellt den Wecker. Am 13. Februar um 11 Uhr vormittags ostaustralischer Zeit (1 Uhr nachts bei uns) geht es los mit der Veranstaltung „The Unfinished Phrase“.

Wo genau? Online im Livestream auf der Digital Writers‘ Webseite. 33 Veranstaltungen finden im Zeitraum vom 13.-24. Februar statt. Umsonst. Die einzige Eintrittskarte ist eine gute Internetverbindung. Und vielleicht eine Woche unregelmäßigen Schlaf.

Australien scheint weit weg zu sein, doch damit zeigen die literaturaffinen Australier, dass sie das ortsungebundene Internet grandios ausnutzen und Zuschauer und Veranstalter in einem digitalen Raum zusammen bringen können. Sie dirigieren zwar von Australien aus, doch es kann die ganze Welt erreichen und über Twitter können die Zuschauer auch mitreden.

Eingeladen sind nicht nur weltweit die Zuschauer, sondern auch die Teilnehmer. Beispielsweise Representative von allen Unesco Literaturstädten (Melbourne, Edinburgh, Iowa City, Dublin, Norwich, Kraków und Reykjavík) am 20. Februar (Melbourne-Zeit).

Ich bin wahnsinnig gespannt, wie es wird. Hier meine Top 5, die ich hoffentlich nicht verschlafe:

Hologram: Sonntag, 16.2. 1 Uhr dt. Zeit.

Über den neuen Verlag Hologram, der Novellas von australischen Schriftstellern unter 30 publizieren möchte.

The Tyranny of Distance: Sonntag, 16.2. 8 Uhr dt. Zeit.

Wie ist es wohl, als Schriftsteller im abgelegenen aber auch wunderschönen Outback zu leben und zu schreiben?

Robin Sloan interview: Dienstag, 18.2. 7 Uhr dt. Zeit.

USA goes Australia – jedenfalls über die Onlineleitung. Robin Sloans Buch „Mr Penumbra’s 24-Hour Bookstore“ steht ziemlich weit oben auf meiner Leseliste. Da hör ich ihn mir doch auch gerne mal an!

Nothing’s Dead That’s Done Right: Print Publishing in the Age of the iPad: Donnerstag, 20.2., 23 Uhr.

Ein Gespräch mit Machern von neuen Printmagazinen Hello Mr., CityMag und Offscreen.

White Night Melbourne: The Book of the Night: Samstag, 22.2. 9 Uhr dt. Zeit.

Hier wird die Nacht dank der Zeitverschiebung wohl eher zum Tag, doch das Programm leuchtet auch im Tageslicht. 12 Schriftsteller nutzen 12 Stunden um 12 Kapitel zu schreiben. Und der Zuschauer darf bei der Kreation zugucken.

Klasse News: die Veranstaltungen werden später auch auf YouTube noch zu sehen sein. Diesmal kriegen wir das hin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Danke Internet.

Schaut euch an, was Sam Twyford-Moore, der Direktor des Emerging Writers‘ Festival, und Connor Tomas O’Brien, der Co-Direktor des Digital Writers‘ Festival, zur Begrüßung zu sagen haben.

Foto: Dumbo Feather

Dumbo Feather ist ein Interviewmagazin, das die Geschichten vieler Charaktere erzählt. Die der Künstler, Geschichtenerzähler, Macher, Tour Guides, Geschäftsführern und vielen weiteren. In ihren Worten: sie führen Unterhaltungen mit besonderen Menschen.

Und obwohl wir (die Leser) verschieden sind, sie (die Interviewten) ebenso anders sind, versucht das australische Magazin aus Melbourne uns zu verbinden. Mit ihrer neuen Dumbo Feather App.

In der gibt es nicht nur über 100 Unterhaltungen (umsonst) zum nachlesen und inspirieren lassen, man kann sie auch filtern lassen. Damit wir noch besser  zusammen passen. Dazu gibt es zwei Entscheidungsklicks: Über wen möchtet ihr lesen? Über jemanden mitfühlenden, mutigen, lustigen, ehrlichen, bescheidenen, fantasievollen, erfindungsreichen, freudvollen oder optimistischen?

Und zweitens: Was möchtet ihr selbst daraus machen? Groß träumen, das Leben verändern oder etwas ganz anderes starten?

Heraus kommt eine Liste mit passenden Unterhaltungen!

Da passt sicherlich etwas zum Neujahresvorsatz (mal wieder die Welt retten? Einen Traum verwirklichen?). Ansonsten wünsch ich eine schöne Couch-Lesezeit und natürlich einen guten Rutsch!

cake+camera Postkarten

Weihnachten rast heran. Möchtet ihr noch Last-Minute-Karten schreiben mit den schönsten aller Grüßen und ein bisschen Sonne? Es gäbe da zwei Australien-Motive, die sich freuen würden, zur Weihnachtszeit von Briefkasten zu Briefkasten zu reisen…

Eine sagt Seeker Writer Keeper,
die andere Story Sailor.

Beide schicken Grüße von A nach B.

Hier könnt ihr die Karten bestellen. Wenn eure Bestellung bis zum 18.12. zur Mittagszeit eintrudelt, sollten es die Karten noch rechtzeitig in deutsche Briefkästen schaffen. Wer sie dann noch weiterschickt, bitte eher bestellen. Ich bring sie schnellstens zum nächsten gelben Postkasten!

Beide Motive habe ich damals in Australien mit meiner Canon AE-1 fotografiert. Seeker Writer Keeper in meinem Zimmer in Brisbane mit der kleinen Schreibmaschine auf dem Kopfkissen, Story Sailor auf einem Hausboot in South Stradbroke.

PS: Wer noch mehr Fotos sehen möchte, kann auch gerne auf meinen Fotoblog cake+camera rüberklicken und sich umschauen.

Konzerte in großen Hallen, wo man sich die Beine in den Bauch steht und sowieso den größten (lautesten, höchsten) Fan vor sich stehen hat? Das muss alles nicht mehr sein. Kleine Wohnzimmerkonzerte schleichen sich schon seit einer Weile durch die Hintertüren. Drinnen ist es gemütlich. Herumsitzen, an einem Glas Wein nippen, Musik genießen. Viele Arten von Räumen eignen sich dafür!

Zuhause. Sofar Sounds, beispielsweise. Sie organisieren Konzerte über die Welt verteilt, auch in Australien: in Brisbane, Melbourne, Perth und Sydney. Und danach gibts schöne Videos und Fotos online. Wie dieses hier von Tim Hart und Stu Larsen:

Im Garten. Porch Sessions sieht auch verlockend aus: sie bringen die Konzerte in deinen Garten. Oder deine Veranda. Demnächst auch wieder mit: Stu Larsen. Er ist überall!

An Bord. A band on a boat ist auf Adelaide’s Boot The Popeye unterwegs. Im letzten Juli nahmen sie Jack Carty, Packwood, Jesse Davidson und ein paar Passagiere mit. Wer fährt als nächstes mit?

Vom Balkon. Wer weiß, wie oft man beim Dreh von Balcony TV tatsächlich live vorbeiläuft und verwundert hochschaut, woher denn diese tolle Musik kommt – auf jeden Fall hat Balcony TV einen hervorragenden Fundus an Videos von Künstlern in Brisbane, Melbourne, Sunshine Coast und Sydney (und der ganzen Welt) auf ihren Seiten.

In der Tram. Melbournes Trams sind schon eine Attraktion an sich, doch mit den Tramsessions können sie noch mehr: herrlich klingen. Sogar Paul Kelly ist mitgefahren:

Und wer grad nicht in Australien ist: die Videoarchive bergen eine großartige Liste an Künstlern, die es zu entdecken lohnt. Klappt auch im eigenen Zuhause auf der anderen Seite der Welt!

Habt ihr schon was gefunden?

 

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