Archive für Beiträge mit Schlagwort: Brisbane

Oh, das macht mich fast stolz. Obwohl man wohl kaum stolz auf eine Stadt sein kann, noch dazu auf eine, die (nur) anderthalb Jahre mein Zuhause war. Aber sie war mein Zuhause. Das zählt. Und so ist es toll zu hören, was in Lonely Planet’s neuem Australien-Führer steht:

Brisbane sei „arguably Australia’s hippest city“, ein „energetic river town on the way up, with an edgy arts scene, pumping nightlife and great coffee and restaurants“.

Und auch: „a patchwork of urban villages, each with a distinct style and topography: bohemian, low-lying West End; hip, hilltop Paddington; exclusive, peninsular New Farm; prim, pointy Kangaroo Point.“

Ich fand immer, dass es in Brisbane länger dauerte, anzukommen und die Stadt zu lieben. Länger als in den offensichtlich aufregenden Städten Sydney und Brisbane, wo die Sehenswürdigkeiten dir zu Füßen liegen. In Brisbane muss man suchen. Reinwachsen. Wohnen bleiben. Viel herumlaufen. Das tat ich, vor allem mit meiner Kamera, mit der ich nach und nach viele schöne Ecken fand. Es genoss, regelmäßig in Kangaroo Point klettern zu gehen. In West End zu kleinen Konzerten ging. Und überhaupt, der West End Market, der schönste von allen! Und natürlich mein Lieblingsbuchladen Archives Fine Books, wo es immer Bücherschätze und Inspiration gibt.

Ja, irgendwie hab ich es schon sehr liebgewonnen in all diesen Monaten. Schön, dass das auch bei Lonely Planet angekommen ist.

-> ABC News. Freya Petersen: Brisbane named the country’s hippest city by Lonely Planet Australia travel guide

Ist Amazon das Equivalent von Starbucks, nur auf der Buchebene? Das fragt sich Connor Tomas O’Brien in seinem Essay für Kill Your Darlings. Anfangs erscheinen seine Punkte nicht völlig neu: trotz Starbucks enstanden neue, kleine Cafés, die es mit dem Café-Riesen aufnehmen wollten. Konkurrenz belebt das Geschäft – Cafébesitzer mussten sich etwas ausdenken. Doch O’Brien zieht Amazon und Starbucks auf eine Ebene: Trotz Amazon werden unabhängige Buchläden eröffnet und versuchen ein neues Buchladengefühl zu kreieren. Doch wie genau kann das aussehen? O’Brian zeigt ein paar Beispiele, bei denen klar wird, dass Buchläden eine neue, individuelle Einzigartigkeit brauchen. Die Brooklyn Art Gallery zeigt originale Sketch-Bücher. Ob das reicht?

Immer wieder denke ich an Ray Oldenburgs The Great Good Places. Es handelt von den dritten Orten, die weder Arbeitsplatz noch das Zuhause darstellen, sondern der zusätzliche Ort, wo man sich trifft, wohlfühlt, in der Öffentlichkeit privat sein kann. Ich denke, Buchläden müssen sich an dieses Konzept anlehnen. Mit Sesseln und Kaffeeecken in vielen Buchläden ist es schon gestartet.

Mein Lieblingsbuchladencafé ist in Bondi Beach, Gertrude & Alice. Wenn du dort bist, fühlst du die Buchatmosphäre. Ohne mit dem Plan hinzukommen, ein Buch zu kaufen, möchte man dort Zeit verbringen, sich in den Sessel vor den Bücherregalen setzen, Kaffee trinken, sich inspirieren lassen. Dabei fällt mir immer wohl oder übel das richtige Buch in die Finger. Fast zufällig. Und ich verlasse den schönen dritten Buchort mit Koffein, Muffin und neuen Büchern.

Genauso schön: Café Bouquiniste in New Farm, Brisbane.

Gelesen wurde schon immer, gelesen wird immer. Aber es gab auch schon immer Treffpunkte, die dritten Orte. Das muss noch mehr in einem Paket zusammengeschnürt werden.

Was sind eure liebsten Secondhandbookcafés in Australien?

SPACE spielt besonders in Australien eine große Rolle. In diesem Land erfuhr und erlebte ich dieses Konzept aus Weite, Raum und Enge in allen Extremen. Plätze können weit auseinander sein oder beinahe lückenlos zusammen liegen. Aber Räume sind immer anwesend, fühl- und füllbar.

SPACE ist auch das aktuelle Thema von Voiceworks #89, dem Literaturmagazin für australische Künstler unter 25. Es gäbe kein passenderes Thema für junge Autoren, die sich noch ihren eigenen Raum und ihre eigene Sprache erschreiben, es gäbe kein passenderes Thema für solch einen großen Kontinent. Oft komme ich in die Versuchung, das „Nichts“, das öfters in Zusammenhang mit Australien fällt, zu verteidigen – das Outback, die Weite, die rote Erde, der hohe Himmel, die geraden Straßen, die heiße Luft, all die Kilometer, die Geschichte: ist all das Nichts? Nein, es ist der schönste Platz und der beeindruckenste Raum.

„This issue features the ensuing struggle when a bear crashes on Dominic Stevenson’s couch, while Christian Jaros tells alien dreamtime tales. All Elizabeth Woods wants is an old Queenslander and to eat carbs after 7pm. In anti-Lonely Planet style your guide to Scamming the Scammers is outlined by Nina McLean, and closer to home Erin Stewart breaks down the Culture of Capital Planning in Canberra. Louise Millar throws us the keys to her Hotel in the Low Country but Amber Beilharz bids you beware of the Warning Signs (a house walking into the ocean).“ (Inhaltsangabe in den Worten von Voiceworks)

Am Donnerstag (26. Juli) findet der Launch von Voiceworks #89 in Brisbanes feinem Avid Reader Buchladen statt. Unbedingt hingehen, wenn ihr in der Nähe seid. Und den literarischen Raum auskosten.

Der Briefkasten war überfüllt. Der Kopf stand der Briefmarke im Weg. Dabei wäre es nur ein Klick, und die Post und der Post wären online gewesen. Tatsache ist: australian postcard ist ein bisschen leise geworden, aber sie wird auf jeden Fall noch abgeschickt. Die Sendezeit war nur auf Stillstand, eine Weile. Ich bin zurück aus Australien gekommen, und um nicht ganz im Blues der Entfernung unterzugehen, bin ich selbst ein bisschen auf Distanz gegangen.

Ich habe Orte, Plätze und Augenblicke nur hinter der Kamera beobachtet und Fotos sortiert. Auf meinem Fotoblog cake+camera gibt es nun neben [Lautschrift]-Fotos, Indienfarben und Leseplätzen auch ein Brisbane diary. Es ist voll mit Queenslands warmen Licht, Flüchtigkeiten, Kaffeezeiten und Heimaträumen. Ich hoffe, es gefällt und Brisbane fängt auch euch.

Bis bald.

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